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Donnerstag, 19. Oktober 2017

Neuigkeiten

17.10.17 18:38

50.000 Besucher*innen beim Outdoor-Sportfestival im Olympiapark

Am Sonntag kamen etwa 50.000 Besucher*innen in den Olympiapark, um nach Herzenslust 50 Sportarten...

Von:Gabriel Bücherl

17.10.17 18:10

Pest-Ausbruch in Madagaskar: Rotes Kreuz entsendet mobiles Krankenhaus zur Behandlung von Pest-Patienten

Nach dem Ausbruch der gefährlichen und leicht übertragbaren Lungenpest in Madagaskar wird das Rote...

Von:Deutsches Rotes Kreuz

12.10.17 20:56

200 Gäste beim dritten Freiwilligenempfang des Münchner Roten Kreuzes

Am 6. Oktober fand im Theatersaal des Seniorenzentrums Kieferngarten der dritte Freiwilligenempfang...

Von:Gabriel Bücherl

Am Vorabend des 24.Juni 1859 wusste der Schriftsteller, Mühlendirektor und Philanthrop Henri Dunant noch nicht, dass der nächste Tag sein Leben verändern und das Leben vieler Pasinger Bürger beeinflussen sollte.

Der  Anblick von über 40000 Toten und Verwundeten nach dem Zusammenstoß österreichischer und französischer Heere beim kleinen oberitalienischen Ort Solferino ( ca. 10 km südl. des Gardasees ) und der völlig unzureichenden Hilfsmöglichkeiten dort, erzeugten bei Herrn Dunant die Idee für die Gründung einer internationalen Hilfsgemeinschaft.

 Um für diese Idee zu werben, unternahm er Reisen in viele europäische Länder. So kam er 1863 auch nach München, wo seine Vorstellungen und Ideen offenbar Anklang fanden.

Am 22. August 1864 kam es zur Unterzeichnung der Ersten Genfer Konvention, in der es unter anderem heißt:  „ …Desgleichen wird für das neutralisierte Personal eine Armbinde zugelassen. Fahne und Armbinde tragen das rothe Kreuz auf weißem Grund …“

 

 

Nur 27 Jahre nach Gründung des Roten Kreuzes in Genf, kam es auch in Pasing zur Gründung einer Rot-Kreuz-Gemeinschaft:

Ein schweres Explosionsunglück mit mehreren Verletzten in der Chemischen Fabrik Weyl in Pasing war Anlass für die Gründung der „ Freiwilligen Sanitätscolonne Pasing“ am 16.Juli 1891.

Die Gründungsmitglieder Josef Ertler, Martin Schneider, Martin Happach, Michael Seitz, Georg Naneder, Michael Rohrhirsch und Emil Ertler waren alle Betriebsangehörige der Chemischen Fabrik Weyl. Sie wählten am 16.11.1891 aus ihrer Mitte Josef Ertler zum ersten Kolonnenführer. Herr Apotheker Bachmair wurde zum stellvertretenden Kolonnenführer gewählt, nachdem er sich schon im August 1891 als erster Schriftführer den Samaritern zur Verfügung gestellt hatte. Vollkommen wurde das kleine Heer der Helfer durch Herrn Stabsarzt Dr. Puille als leitendem Kolonnenarzt. Genau vier Monate nach ihrer Gründung konnte die Kolonne über einen Kassenbestand von 23,30 Mark verfügen, welcher zur Beschaffung der Sanitätsmützen, als ersten Ausrüstungsgegenständen, verwendet wurden.

Zum Transportieren  Verletzter und Kranker dienten lediglich „Tragbahren“ und selbstangefertigte Hilfsmittel.

Erstes selbstgefertigtes Transportmittel ( 1895 )

In der Materialbeschaffung waren die Pasinger Sanitäter schon damals sehr erfindungsreich. So fand im Mai 1893 ein „Kellerfest“ mit Glückshafen statt. Das Los kostete damals 10 Pfennige und es gab 150 Treffer bei 2000 Nieten.

 

Im Juli 1897 wurde Kamerad Michael Seitz zum Kolonnenführer gewählt und in gleichen Jahr am      24.November der Schriftführer Apotheker Bachmair durch Kommerzienrat Buchner in den Kreisausschuß Oberbayern berufen. Ihren ersten toten Kameraden musste die Sanitätskolonne Pasing 1898 mit Johann Schwemmer beklagen.

 

Die Beiräte der Sanitätskolonne Pasing wurden damals vom „Bayrischen Verein zur Pflege und Unterstützung im Felde verwundeter und erkrankter Krieger“ bestätigt.

 

Am 21. Januar 1911 beschloss die Mitgliederversammlung die „Satzungen für die freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz Pasing“. Diese Satzung wurde dann am 25.Januar 1911 vom „Central-Comitè d. Bayr. Landes-Hilf-Vereins vom Roten Kreuz“ bestätigt und am 25.Februar 1911 beim Königlichen Amtsgericht München, Registergericht eingetragen.

An einer Siegelschnur hängt sie noch heute mit Siegel versehen im „1.Protokoll-Buch“ der Sanitätskolonne Pasing.

 

Am 20.Juli 1901 wurde Polizeikommissar Nahstoll als Instrukteur für Verkehrs- und Betriebsüberwachung in das Bayrische Rote Kreuz berufen. Als zweiter Kolonnenarzt trat am 1.August 1902 Hr. Dr. Donop der Pasinger Sanitätskolonne bei.

1.Pasinger Krankenwagen

Mit Anschaffung der ersten „Fahrbahre“ betraute man Kamerad Schönmetzler mit dem Amt eines Zeugwarts. Ende des Jahres 1902 zählte die Pasinger Kolonne 24 aktive Mitglieder. Nach zwölfjähriger Kolonnentätigkeit verloren wir 1903 unseren Stabs- und Kolonnenarzt Dr. Puille. Herr Oberarzt Dr. Hugo Hösch wurde 1905 Kolonnenmitglied, um der guten Sache zu dienen.

 

Als fördernde Mitglieder traten 1906 folgende Herren der Kolonne Pasing bei: Bürgermeister Weinberger, Direktor Hromadnik, Fabrikbesitzer Arnold und der langjährige Bürgermeister von Pasing, Herr Dr. Alois Wunder, der auch Beirat der Sanitätskolonne im Roten Kreuz war.

Von der 1905 zur Stadt erhobenen Gemeinde Pasing erhielt die Sanitätskolonne zu Ihren 15. Gründungsjubiläum am 20.November 1906 das Depotgebäude an der Institutstraße 2 mit der Sanitätswache sowie einen pferdebespannbaren Krankentransportwagen zur Verfügung gestellt. Kamerad Schönmetzler, der Zeugwart der Kolonne, konnte als Depotwachhabender eingesetzt werden.

 

Die Notwendigkeit, eine gut ausgebildete und stets einsatzbereite Sanitäsmanschaft zu besitzen, wurde von den Bürgern Pasings mehr und mehr erkannt, so dass die Sanitätskolonne Pasing 1906 über die stattliche Anzahl von 33 aktiven Helfern verfügte.

 

Mit der Hauptaufgabe, die Lungen-Tuberkulose in der Stadt Pasing zu bekämpfen, trat 1907 Hofrat Dr. Benard als Arzt in die Kolonne ein. 1911 wurden die Herren Dr. Gruhle und Dr. Paul Hösch Kolonnenärzte, leitender Kolonnenarzt blieb jedoch Dr. Hugo Hösch.

 

Nachdem die Mitgliedzahl der Sanitätskolonne Pasing stetig angestiegen war, erlitt die Kolonne mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges im August 1914 einen schweren Rückschlag. Insgesamt 69 Mann wurden zum Waffendienst und 5 Mann zum Feld-Sanitätsdienst eingezogen.

Die Firma Arnold in Pasing richtete ein Behelfslazarett für verwundete Frontsoltaten in ihren Betriebsräumen ein. Die Betreuung übernahm die Kolonne Pasing, im Besonderen der Frauenverein des Roten Kreuzes. In den Jahren 1914 – 1918 sind 3 Kameraden der Sanitätskolonne Pasing an der Front gefallen. Die Kolonne zählte 1920 nur noch 15 aktive Helfer.

 

1920 wurde Kamerad Josef Lacher zum Kolonnenführer gewählt. Er verstarb jedoch schon wenige Monate später.

 

Der in Pasings Rot-Kreuz-Geschichte legendär gewordene Georg Etterer wurde 1921 zum Kolonnenführer gewählt. Seinen tatkräftigen Einsatz verdankte die Stadt Pasing den erfolgreichen Wiederaufbau der Sanitätskolonne. Kolonnenführer Etterer war es auch, durch dessen Initiative der „Rotkreuz-Gau Oberbayern“ gegründet wurde. Unter Gauführer Etterer hielt die Sanitätskolonne Pasing eigene Werbe-Übungen in Planegg, Gauting, Starnberg, Holzkirchen, Peißenberg, Penzberg, Kochel, Bad Tölz, Dachau, Schleißheim, Wasserburg, Mühldorf, Burghausen und Rosenheim ab. Unermüdlich waren Pasings Kolonnenmitglieder mit Georg Etterer an der Spitze unterwegs, um den Rotkreuz-Gedanken ins bayrische Oberland zu tragen und Patenkolonnen zu gründen.

1. Sanitätsauto der Kolonne Pasing, 1924

Herrn Kommerzienrat Fritz Berne gilt unser bester Dank für die nicht nur für damalige Verhältnisse unwahrscheinlich hohe Stiftung von über 10.000 Mark. Im Jahre 1924 konnte damit das erste Sanitätsauto der Kolonne Pasing – ein OPEL – angeschafft  werden.

 

Im August  1924 führte die Kolonne Pasing mit der freiwilligen Feuerwehr eine gemeinsame Übung durch, deren Leitung Kamerad Etterer übernommen hatte. Angenommen wurde ein Großbrandunglück in der Lehranstalt in Pasing. Beteiligt waren die Kolonnen Pasing, München, Aubing, Dachau, Penzberg, Schleißheim sowie Abordnungen sämtlicher Sanitätskolonnen von Oberbayern! Die Übung wurde ein voller Erfolg.

Angespornt durch das Geschenk von Herrn Kommerzienrat Berne und die unermüdliche Einsatzfreudigkeit der Kolonne, stiftete die Einwohnerschaft Pasings 1925 einen zweiten Krankentransportwagen. Es konnte ein moderner „Horch“-Wagen angeschafft werden. Damit war man, für damalige Zeiten, auf das Beste gerüstet.

So konnten am Pfingstmontag 1925 die Pasinger Sanitäter bereits mit 2 Fahrzeugen und 6 Mann bei dem schweren Eisenbahnunglück am Ostbahnhof tatkräftige Hilfe leisten.

 

Weitere Fahrzeuge Stifteten:

1925 Herr Bebenik von der Chemischen Fabrik Weyl;

1926 Herr Graf Kamer Klett;

1931 Herr Ingenieur Molitor.

 

Wieder gab es ein schweres Eisenbahnunglück! Im August 1927 geschah es im Münchner Hbf. Hierbei konnten die freiwilligen Helfer Pasings 5 Fahrzeuge und 24 Mann  zum Einsatz bringen.

 

1928 waren zum „Jahrsappell“ 64 Kameraden anwesend.

 

Mit dem 40jährigen Gründungsfest der Sanitätskolonne Pasing, im Jahre 1931 fand das letzte große oberbayrische Kolonnentreffen statt! Anlässlich dieses stolzen Jubiläums hat die Stadt Pasing mit Unterstützung der Einwohnerschaft der Kolonne einen neuen Sanitätswagen gestiftet. Bis zur Übernahme der Krankentransporte durch hauptamtliche Helfer des Kreisverbandes München im Jahre 1946, hat dieser Sanitätswagen stets zuverlässig seine Dienste geleistet. Die ständige Einsatzbereitschaft der Pasinger Sanitätskolonne ist dem Pflichtgefühl der Kameraden Etterer und Raminger zu verdanken, die bis zur Eingliederung Pasings in die Kreiskolonne München, nicht nur den Pasinger Bürgern, sondern darüber hinaus auch der weiteren Umgebung stets Hilfe leisteten.

 

Wie stark die Mitgliederzahl der Sanitätskolonne Pasing mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten anwuchs und wie umfangreich das Aufgabengebiet der Kolonne damals war, geht aus dem Tätigkeitsbericht im „Protokoll der ordentlichen Mitgliederversammlung vom

22. April 1933“ hervor:

 

„Tätigkeitsbericht der Kolonne für das abgelaufene Jahr 1932“

 

Die Kol. Besteht aus 3 Zügen.

Pasing 1. U. 2. Zug zählt: 1 Ehrenmitglied, 3 Ärzte, 4 Beiräte, 1 Kol. Führer, 1 Kol.Führer-Stellvertreter, 1 Abteilungsführer, 2 Zugführer, 2 Zugf. Stellvertreter, 6 Gruppenführer, 1 Materialverwalter und 70 Mann.

Der 3. Zug ( Olching ): 1 Arzt, 1 Zugführer, 3 Gruppenführer und 29 Mann. Insgesamt 99 Mann.

Der passive Mitgliederstand: in Pasing 115, in Hadern 25, in Olching 13.

 

Der Mitgliederstand am 1. Januar 1932 in Pasing: 75 Mann.

Zugang 11, ausgetreten 12, ausgeschlossen 1, gestorben 3, somit am 1.Januar 1933: 70 Mann. Die Jugendabteilung zählt 13 Mann.

Als Krankenpfleger wurden 12 ausgebildet, 3 Mann für Gasschutz und 2 Mann als Desinfekteure.

Abgehalten bzw. ausgeführt wurden:

1 Mitgliederversammlung, 4 Führersitzungen, 3 Chargensitzungen, 2 Sitzungen mit Nachbar-Kolonnen, 3 Chargenübungen, 9 Ärztl. Vorträge, 1 Vortrag über Medikament, 10 Verbandübungen, 1 Exerzierübung im Saal, 8 Übungen im Freien, 1 Werbeübung in Hadern, 2 Ausrüstungsappelle, und jeden Freitag Wochenappell.

Wachen und Dienstleistungen: 118 Depotwachen, 64 Wachen in der neuen Kirche, 61 in der alten Kirche, 61 in der evang. Kirche, 155 im Kino, 10 im Steinerbad, 6 in Bad Lochham.

Außerdem Straßenwache von April bis Oktober, ferner fliegende Wachen bei Veranstaltungen.

Hilfeleistungen waren 782 zu verzeichnen, außerdem 483 Krankentransporte.

 

 

Als 1939 der zweite Weltkrieg ausbrach, zählte die Freiwillige Sanitätskolonne Pasing einschließlich Musikzug 120 Mann.

Zum Sanitätsdienst wurden sofort 7 aktive Sanitäter eingezogen. 3 Ärzte und weitere 73 Kameraden wurden zum Waffendienst verpflichtet. Davon sind in den Kriegsjahren 8 Kameraden gefallen, 10 weitere sind vermisst und 15 Kameraden kehrten erst 1951 aus der Gefangenschaft zurück.

 

Zum zweiten Mal in der Geschichte der Pasinger Sanitätskolonne und der weiblichen Bereitschaft Pasing hatten die Daheimgebliebenen die Aufgabe, Verwundete und Hilflose zu betreuen. Nicht nur in den Luftschutzrettungsstellen, beim Sanitätsdienst in den Bahnhöfen Pasing und Laim, der Truppenverpflegung an den Zügen im Hauptbahnhof und bei den Küchendienst, sondern auch bei Kindertransporten und Nachbarschaftshilfen wurden sie gebraucht.

Unter schwersten Bedingungen mussten während der Luftangriffe von 1940 – 1945 462 Einsätze gefahren und dabei  512 Verletzte transportiert werden. Es fehlen die Worte, um die ungezählten Strapazen, Leiden und Entbehrungen unserer Helfer und Helferinnen bei  Ihren Einsätzen in den Bombennächten zu schildern.

 

Auch für die weibliche Bereitschaft Pasing bedeutete der Zweite Weltkrieg eine große Bewährungsprobe. Die Zahl der Helferinnen stieg bei Kriegsbeginn von 20 auf 100 an. 

15 Helferinnen standen damals direkt m Kriegseinsatz.

 

Doch die Zeit blieb nicht stehen. Nach Kriegsende begann der dritte Aufbau unserer Sanitätskolonne. Ein kleiner Kameradenkreis fand sich bereits in den ersten und schwersten Nachkriegsjahren zu einer verschworenen Rotkreuz-Gemeinschaft zusammen.

1945 wurde Paul Weber zum Kolonnenführer gewählt. Ihm folgten 1947 Kamerad Anton Weiß und 1949 Markus Schindelbeck. Stellvertreter wurde Karl Kirchbeck. Man muss  sich an die Not der Nachkriegszeit erinnern, um die Hilfsbereitschaft dieser Kameraden zu würdigen.

 

Zu den Aufgaben der nach dem Krieg auf 15 Helferinnen geschrumpften weiblichen Bereitschaft gehörten u.a. die Speisung alter, einsamer Menschen, Paketaktion und Kinderbescherungen zum Weihnachtsfest.

Hier können sich die Pasinger Bürger vielleicht noch an die „Bunker Centa“ erinnern. Unsere Kameradin Centa Lampersberger betreute mit Unterstützung der Pasinger  Bevölkerung von 1947 bis 1955 täglich mehr als 100 Vertriebene, Heimatlose und Kriegsheimkehrer. Ihr „Stützpunkt“, im wahrsten Sinne des Wortes, war der Bunker an der Pasinger Bäckerstraße.

 

Bis zum Jahr 1949 führte die Freiwillige Sanitätskolonne Pasing 39.574 Krankentransporte in Pasing und der Umgebung durch.

Außerdem wurden bei Festlichkeiten, Sportveranstaltungen und anderen Einsätzen 17.952 Hilfeleistungen getätigt, sowie ca. 3000 Übungen und ärztliche Vorträge abgehalten.

Seit Mai 1949 wurde der Krankentransport in Pasing im Wesentlichen durch angestellte, hauptamtliche Helfer der Kreisstelle München durchgeführt.

 

Kamerad Adolf Kirmeier führte ab 1952 die Kolonne bis er 1956 von Kamerad Erich Hofmann abgelöst wurde. In dieser Zeit hielt Kolonnenarzt Dr. Fritz Kagerer laufend ärztliche Vorträge und Sanitätsübungen ab. Nachdem 1956 Dr. Heinz Normann in das Amt des Kolonnenarztes gewählt wurde, blieb Herr Dr. Kagerer auch weiterhin der Kolonne treu.

Er förderte stark die Weiterbildung des Nachwuchses. Unterstützt wurden beide Ärzte von Herrn Dr. Helmuth Ostertag ( Wasserwacht ). Auch er brachte nicht nur in den „EH-Kursen“  der Bevölkerung die Grundregeln der Ersten Hilfe bei, sondern führte einer breiten Öffentlichkeit die Arbeit des Roten Kreuzes wirkungsvoll vor Augen.

 

Die alte Sanitätswache an der Institutstraße war längst zu klein geworden.

 So mussten z.B. Erste-Hilfe-Kurse in nahegelegenen Gaststätten durchgeführt werden. Ein Neubau an der Theodor-Storm-Straße wurde vom BRK-Kreisverband München begonnen.

In der Zeit, in der Erich Hofmann die Kolonnenführung innehatte, fiel auch die Eröffnung des neuen Rot-Kreuz-Hauses.

Die Presse beschreibt die Pasinger Szenerie vom 13.November 1956 so: „Ein weiß-blauer Sonntagshimmel lachte zur festlichen Weihe des schmucken Heimes des Samariterdienstes der Nächstenhilfe.“

 

Die „Rettungsstelle West“ nahm ihrer Bestimmung gemäß die Arbeit auf. Zur gleichen Zeit führte man im gesamten Krankentransport den Sprechfunk ein. Dadurch wurde die Einsatzfähigkeit der Rettungsfahrzeuge erheblich gesteigert und bei den immer mehr zunehmenden Verkehrsunfällen ein rasches Eintreffen der Helfer am Unfallort gewährleistet.

Unter Leitung von Herrn Toni Kopfmiller jun. Besteht seit 1956 die „Ortsvereinigung Pasing“ im BRK. Sie umfasst neben der Sanitätskolonne die weibliche Bereitschaft, die Wasserwachtortsgruppe Pasing-Langwied und das 1958 von Herrn Franz Manzinger jun. Wiedergegründete Musikkops.

 

Am 16. Januar 1959 wurde Kamerad Sepp Laminent zum Kolonnenführer, Toni Kopfmiller zu seinem Stellvertreter gewählt. Zum besonderen Ziel setzte sich Kamerad Laminet die Vergrößerung der Kolonne.

Neben den Anfallenden Diensten, bei Festlichkeiten, im Fahrdienst und den Übungsabenden, wurden regelmäßig öffentliche ärztliche Vorträge und „ Erste-Hilfe-Kurse“ im Frühjahr und Herbst abgehalten.

In all diesen Jahren war Kamerad Otto Vogel ein guter Schriftführer und Kassenwart. Er erledigte alle anfallenden Schreibarbeiten, hielt alle Details des Kolonnenlebens fest und verwaltete als Kassenwart die Ein- und Ausgaben der Kolonne, bis zum Jahre 1960. Danach übernahm Kamerad Müller die Aufgaben als Kassenwart und Kamerad Stampfer die des Schriftführers.

 

1965 wurde Kamerad Kopfmiller in den Vorstand des Kreisverbandes München gewählt und zum stellvertretenden Kreiskolonnenführer ernannt.

 

Aus den Protokollen und Niederschriften jener Zeit geht hervor, wie mannigfaltig und umfangreich die Tätigkeiten der Sanitätskolonne Pasing waren. Alljährlich wiederkehrende Umzüge, Oktoberfest-Dienste, Sportveranstaltungen, Erstkommunionen und Firmungen, Kirchenkongresse beider Konfessionen, Frohnleichnahmsumzüge  usw.

Immer waren Pasings Sanitäter dabei, um Unheil abzuwenden und zu helfen, wo immer es erforderlich wurde.

 

In den Jahren 1959 bis 1965 wurden folgende Dienststunden verrichtet:

 

Fahrdienste:                  23740 Stunden ( Krankentransportund Unfallrettungsdienst)

 

Verschied. Wachen:      1817 Dienste aller Art

 

Krankenhausdienst:      329 Nachtdienste an Wochenenden

( Krankenpflege und Hilfsdienste Bei Unfallaufnahmen )

 

Durch die Kolonne wurden nicht nur Erste-Hilfe-Kurse für die Pasinger Bevölkerung angeboten, sondern im Rahmen von „Gesundheitswochen“ auch öffentliche Vorträge von Pasinger Ärzten aus deren jeweiligen Fachgebiet. Die Bevölkerung war mit so großem Interesse dabei, das der Lehrsaal im neuen Rot-Kreuz-Haus oft überfüllt war.

Arbeitsaufwendige Höhepunkte im Pasinger-Rotkreuzalltag waren nicht nur die Dienste beim Eucharistischen Weltkongress München im August 1960 und bei den Olympischen Spielen 1972, sondern auch Großübungen an der Aubingerstr. ( 10.06.67 ) und an der Offenbachstr. ( 31.05.69 ).

Auch der Papstbesuch in München am 20.11.1980, die Internationale Gartenbauausstellung 1983 und der Deutsche Katholikentag am 02.07.1984 gehörten dazu.

 

Gegen Ende der Sechziger Jahre ging die Mitgliederzahl der Kolonne deutlich zurück – sie bekam die gesellschaftlichen Veränderungen des „Wirtschaftswunders“  zu spüren.

Gemeinsame Busausflüge zu Zielen in Oberbayern, die noch wenige Jahre vorher alle Mitglieder begeistert hatten, waren nun „OUT“ , denn schon besaßen manche Kameraden ihren eigenen Wagen!

Und es kamen die ersten „Zehnjährigen“ in die Kolonne.

Diese Jungen Kameraden wollten keinen Bundeswehr-Grundwehrdienst ableisten und hatten sich deshalb dem Staat gegenüber zu einer zehnjährigen Mitarbeit beim Roten Kreuz verpflichtet.

Einige alte Kameraden reagierten skeptisch.

Kamerad Hofmann dazu: „Wir waren aus Idealismus dabei. Die Verpflichteten jedoch hatten andere Gründe um mitzumachen. Das sah man dann auch, als sie ihre 10 Jahre abgearbeitet hatten. Da waren sie schnell wieder weg!“

Bald war die Anzahl der verpflichteten Helfer größer als die der freiwilligen Helfer. Aber in der Sanitätskolonne Pasing wird längst kein Unterschied mehr gemacht zwischen verpflichteten und freiwilligen Helfern. Hier läuft alles reibungslos!

Neben ihren bisherigen Aufgaben wurde die Kolonne nun zum „16. Sanitätszug Transport München-Stadt“ im Katastrophenschutz, mit 28 verpflichteten Helfern und einem Kat-S-Krankenwagen ab 1974.

Die Ausbildung innerhalb der Kolonne wurde nun sehr streng durchgezogen und mancher „altgediente“ Sanitäter wechselte zu eine anderen Kolonne über!

So gab es in der Kolonnengeschichte immer wieder Höhen und Tiefen!

 

( Zusammengestellt aus Archivunterlagen der Sanitätskolonne Pasing und Aufzeichnungen von Kamerad Erich Hofmann und Hermann Sinner, Juni 1991; Bearbeitet April 2011  Dominic Hartig )